Der Gärtner im Schlosspark

Rolf Rindlisbacher in seiner Gärtnerei
Rolf Rindlisbacher in seiner Gärtnerei

Der Himmel glutrot, wie selten, ein fast unwirkliches Bild. Wirklich ist der Garten, wo Rolf Rindlisbacher  an diesem herein-brechenden Abend steht.  Im Gewächshaus  nimmt er einen Hauswurz in seine Hand. „Es ist die Perle von Nürnberg“, sagt der Gärtner. Vor seinem 200-jährigen Haus steht sein Gartenbetrieb mit Gartenbeeten, Gewächshäusern, Blumen aller Art und eben Hauswurzen soweit das Auge reicht.

Hier ist  mal seine Gärtnerei gestanden, Adresse Thalmattweg 3, ein blühender Betrieb mit Verkauf von Blumen, Gemüsesetzlingen und was eine Gärtnerei so alles bietet.  Leute aus dem Quartier kamen, um sich einzudecken, bis der Niedergang einsetzte. „Der Familienbetrieb hat in den 80er und 90er Jahren floriert, sagt Rindlisbacher, sein Vater Werner habe in den 60er Jahren den Betrieb aufgebaut und dabei selber viel Hand angelegt. 1991 hat Rolf mit 31 Jahren die Gärtnerei übernommen und 10 Jahre weitergeführt. 2001 war Schluss, der Betrieb hat nicht mehr rentiert. „Ich bin nicht der Einzige“, sagt der heute 56-jährige, rings um gingen Gärtnereien zu, Familienbetriebe hätten heute keine Chance mehr, die Kaufsgewohnheiten hätten sich halt geändert und die Grossverteiler bedeutend tiefere Preise. Rindlisbacher erinnert sich an seinen Kollegen Josef Scherzinger, der 2012 seinen Betrieb in Zollikofen  geschlossen hat, er ging in Rente und fand keinen Nachfolger.

 Rindlisbacher ist seinem Beruf nicht untreu geworden. Seit 2002 arbeitet er in Gümligen, wo der den riesigen Schlosspark des Schlosses Gümligen hegt und pflegt.  Beim Schloss  handelt es sich um einen Berner Landsitz aus dem 18. Jahrhundert, zwischen 1736 und 1739 vermutlich vom Architekten Albrecht Stürler erbaut. Während des 2. Weltkrieges diente es General Henri Guisan als Dienstquartier.  Heute residiert im Barockschloss der Unternehmer und Milliardär  Willy Michel, Präsident der Ipsomed, der es im Jahr  2000 von der Familie Tscharner kaufte und renovierte.  „Ein schöner Job für mich“, sagt Rindlisbacher, es gebe aber viel zu tun, vom Rasen mähen bis zum Hecken schneiden und vieles mehr.   Der Park im Barockstil mit der 200 Meter langen Allee und den Terrassengärten wurde 2001 nach historischen Vorlagen wieder hergestellt.  Er sei nicht allein, der sich um dieses Bijou kümmern müsse,  ihm zu Hand gehe auch der Koch, der gelegentlich im Park arbeite.

 

In seiner Gärtnerei

 

Neben seiner Hauptätigkeit im Schlosspark arbeitet Rindlisbacher, der ursprünglich eine Gärtnerlehre in Wohlen AG absolvierte, zu Hause für die Blumenbörse, die er 1x in der Woche mit seinen Pflanzen beliefert.  In seinem Sortiment führt er vor allem Hauswurzen, Echeverien genannt, aber auch Schnittblumen, Sonneblumen und Rizinuspflanzen. Tomaten und Salate sind für den Eigengebrauch. Der Gärtner ist ein eigentlicher Spezialist für Hauswurzen, von denen er tausende Exemplare in seinem Garten gepflanzt hat und diese auch weiter züchtet. Als Renner hat sich die „Perle von Nürnberg“ erwiesen, sie bildet von Februar bis März rosafarbene Blüten aus, sie wächst rosettenartig und erreicht gewöhnlich eine Höhe und eine Breite  von 10-20 cm. „Sie ist mehrjährig“, weiss Rindlisbacher,  ertrage allerdings keinen Frost, dann sollte man sie nicht im Freien lassen.

Von seinem Haus aus schaut Rolf Rindlisbacher auf die Thalmatt, die sich so stark in den letzten Jahren verändert hat. Als er geboren wurde, stand hier noch kein Haus, die Siedlungen kamen erst später dazu. Seit dem 1. Januar 2002 arbeitet er zudem als Siedlungswart in der Siedlung Aspiwaldweg, unterstützt von seinem Mitarbeiter Werner Weber, 63,  der mit 17 in den Rindlisbacher Betrieb kam.  Rindlisbacher ist verheiratet mit Ursula und  hat zwei Kinder, Reto, 21, ist Möbelschreiner, Sara, 24, Kindererzieherin.  „I bi geng chli öppis am grüble“, sagt der Gärtner und schaut zum Horizont, der sich nicht mehr glutrot, sondern schwarz präsentiert.                                                                                                                                  Text/Fotos: Urs J. Huber